orestie
schauspiel frankfurt

2020 March

Premiere am 22. Februar 2020

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Amit Epstein
Musik und Hörspiel: Matthias Grübel
Puppenbau/-spiel: Michael Pietsch
Dramaturgie: Marion Tiedtke

Mit
Altine Emini, Torsten Flassig, Sebastian Kuschmann, Katharina Linder, Michael Pietsch, Christoph Pütthoff, Sebastian Reiß, Samuel Simon, Andreas Vögler

Orest flieht und kann doch nicht entkommen: Die Spirale der Gewalt durchzieht das Leben aller – sein Vater hat für den Sieg der Griechen über Troja die Tochter Iphigenie geopfert, seine Mutter hat dafür den Vater ermordet, Orest wiederum seine Mutter getötet und wird gejagt von den Erinyen, die diesen Muttermord gesühnt sehen wollen. Doch wie entkommen, wenn Rache auf Rache sich türmt, wenn aus der einen Schuld die nächste folgt, weil ohne Verschulden kein Handeln möglich ist? In archaischen und mythologischen Bildern beschreibt Aischylos den unaufhörlichen, grausamen Kreislauf des Leidens. Orest weiß keinen Ausweg, als Zuflucht zu den Göttern zu nehmen: Apollon als sein ständiger Begleiter verweist ihn auf die Göttin Athene, die eine bessere Zukunft garantieren soll. Sie appelliert an die Selbstverantwortung der Menschen. Die älteste Trilogie des Abendlandes aus dem Jahr 458 v. Chr. mahnt uns heute, dass wir unsere Eigeninteressen zurückstellen müssen, damit uns eine gemeinsame Rechtsordnung den Frieden garantiert.

Presse
»Jan-Christoph Gockel und sein Team haben den antiken Text in seiner Tragweite ernst genommen und eine aufregende Bild- und Klangwelt für ihn gefunden. Die vielen Interpolationen, die An-, Aus- und Umdeutungen geben gewiss kein homogenes Bild, fügen sich aber auf der Bedeutungsebene stringent zusammen. Die Geschmeidigkeit und Vielfalt des Soundtracks von Matthias Grübel, der klare Raum von Julia Kurzweg, die sinnlichen, dem Leben abgelauschten und doch eleganten Kostüme von Amit Epstein schwingen zusammen und folgen der Inszenierungsidee. Der nuancierte, unangestrengte Umgang mit der Sprache prägt sich ein und wirkt nach wie viele überraschende Details, von denen keines überflüssig daher kommt.«
die-deutsche-buehne.de, 22. Februar 2020

»Fürs große Frankfurter Schauspielhaus hat nun Jan-Christoph Gockel […] das Stück als Multimediainszenierung zubereitet – teils tief berührend, teils hochinteressant […].Schauspiel, Puppenspiel, Hörspiel, filmisch übertragene Großbildszenen aus dem Hades unter dem Bühnenboden, musikalische Atmosphärenzeichnung und akustisch brachiales Wirkungsgedonner: Jan-Christoph Gockel greift für seine Inszenierung in die Vollen, bleibt seiner Neigung zu mal klug erhellenden Effekten, mal verspielt überschäumender Effekthuberei treu. […] Aber langweilig wird einem kaum, denn sinnlos oder gar dumm ist nichts davon.«
Rhein-Zeitung, 24. Februar 2020